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KI im ERP: was heute wirklich funktioniert
KI steht inzwischen in jeder ERP-Broschüre. Nützlich ist die Unterscheidung zwischen dem, was heute zuverlässig läuft, und dem, was noch Ankündigung ist.
Veröffentlicht am 10. August 2026, Lesezeit etwa 3 Minuten

Im ERP-Umfeld ist KI kein einzelnes Merkmal, sondern eine Sammlung sehr unterschiedlicher Funktionen. Manche laufen seit Jahren zuverlässig und hießen früher anders, andere sind neu und noch nicht belastbar. Die Unterscheidung lohnt, weil sie über den Nutzen entscheidet.
Was heute zuverlässig funktioniert
- Belegerkennung: Aus einer Eingangsrechnung werden Lieferant, Datum, Betrag, Steuersatz und Positionen ausgelesen und gegen die Daten im System geprüft. Das spart messbar Zeit, weil der Standardfall ohne Eingabe durchläuft.
- Zuordnungsvorschläge: Kontierung und Kostenstelle werden aus vergleichbaren früheren Buchungen vorgeschlagen. Die Trefferquote steigt mit der Menge der Beispiele.
- Textentwürfe: Antworten auf Kundenanfragen, Artikelbeschreibungen und Zusammenfassungen von Vorgängen. Nützlich als Entwurf, nicht als Endergebnis.
- Anomalieerkennung: auffällige Buchungen, ungewöhnliche Bestandsbewegungen, abweichende Preise. Das Ergebnis ist ein Hinweis für einen Menschen, keine Entscheidung.
Wo Vorsicht angebracht ist
Prognosen für Absatz und Bedarf sind der Bereich mit den größten Versprechen und der größten Streuung. Ein Verfahren ist nur so gut wie die Datenhistorie, und bei saisonalem oder projektgetriebenem Geschäft liefert die Historie wenig Anhalt. Wer hier Genauigkeit zusagt, ohne die Datenlage zu kennen, verspricht zu viel.
Ebenfalls kritisch sind Funktionen, die selbstständig buchen oder bestellen. Solange nicht nachvollziehbar ist, warum eine Entscheidung so ausfiel, gehört ein Mensch dazwischen. Nicht aus Prinzip, sondern weil die Korrektur einer falschen automatischen Buchung teurer ist als die Prüfung.
Was für Haufe X360 angekündigt ist
Für das Major Release 2026R1 sind zwei KI-Funktionen angekündigt. Der AI Assistant beantwortet Fragen in natürlicher Sprache aus den freigegebenen ERP-Daten und gibt das Ergebnis als Text, Tabelle, Diagramm oder Pivot-Auswertung aus, statt dass jemand die Auswertung selbst zusammenstellt. AI Automation setzt an anderer Stelle an: Supportfälle zusammenfassen, Verkaufschancen aufbereiten, Artikelbeschreibungen erzeugen, bestehende Abläufe erweitern.
Nach Angaben des Herstellers bleibt dabei das vorhandene Berechtigungskonzept maßgeblich, das Sprachmodell ist wählbar, und es gibt eine Datenmaskierung sowie ein Hosting in der EU ohne Nutzung der Daten für das Training. Das sind Angaben aus der Ankündigung und keine Erfahrungswerte: Das Release ist zum Zeitpunkt dieses Beitrags nicht im produktiven Einsatz.
An den Fragen im nächsten Abschnitt ändert das nichts, zwei davon werden nur wichtiger. Erstens, ob das Berechtigungskonzept auch für abgeleitete Antworten greift: Eine Kennzahl kann aus Daten entstehen, die der Fragende einzeln nicht sehen dürfte. Zweitens, ob nachvollziehbar bleibt, woraus eine Zahl entstanden ist. Eine Antwort in ganzen Sätzen wirkt verbindlicher als eine Tabelle, ohne es zu sein.
Die Fragen, die eine Bewertung erlauben
- Worauf wurde das Verfahren trainiert, und mit welchen Daten arbeitet es bei uns?
- Verlassen unsere Daten dabei das System, und wenn ja, wohin?
- Ist nachvollziehbar, warum ein Vorschlag so aussieht?
- Was passiert bei einem falschen Vorschlag, und wer merkt es?
- Ist die Funktion im Lizenzumfang enthalten oder kostet sie extra?
Der unspektakuläre Nutzen ist der größte
In der Praxis kommt der Gewinn selten aus einer einzelnen beeindruckenden Funktion. Er kommt daraus, dass der Standardfall ohne Beteiligung durchläuft und Menschen nur noch die Ausnahmen sehen. Das ist bei der Eingangsrechnungsverarbeitung längst Realität, und es ist der Bereich, in dem sich eine Einführung am schnellsten rechnet.
Voraussetzung dafür ist banal und wird trotzdem übersehen: saubere Stammdaten. Ein Verfahren, das aus Beispielen lernt, lernt auch die Fehler.
Der AI Assistant in Haufe X360
Raphael Pfaff von Haufe X360 erklärt, wie der AI Assistant funktioniert, und zeigt ihn in einer Demo im System.
Video vom YouTube-Kanal Haufe X360
Beim Abspielen wird das Video von YouTube geladen, dabei werden Daten an YouTube übertragen. Datenschutz · Auf YouTube ansehen
Fragen zum Thema
Ersetzt KI Aufgaben in der Buchhaltung?
Sie verändert sie. Erfassung und Zuordnung laufen im Standardfall automatisch, die Arbeit verschiebt sich zur Prüfung und Auswertung. Die Verantwortung für die Buchung bleibt beim Menschen.
Verlassen unsere Daten das System?
Das hängt von der Funktion ab und ist die wichtigste Frage. Sie gehört vor der Aktivierung geklärt und in die Verarbeitungsübersicht aufgenommen.
Was ist mit dem angekündigten AI Assistant?
Er gehört zum Major Release 2026R1 und beantwortet Fragen in natürlicher Sprache aus den freigegebenen ERP-Daten. Belastbare Erfahrungswerte gibt es dafür noch nicht. Die Bewertungsfragen im Beitrag gelten unverändert, insbesondere die nach den Berechtigungen.
Welches Sprachmodell kommt zum Einsatz?
Laut Ankündigung ist das Modell wählbar. Diese Angabe ist wichtiger, als sie klingt: Davon hängt ab, wo die Verarbeitung stattfindet und welche vertraglichen Zusagen dafür gelten. Die Frage gehört vor der Aktivierung geklärt, nicht danach.
Wie zuverlässig sind Bedarfsprognosen?
So zuverlässig wie die Datenhistorie. Bei gleichmäßigem Verbrauch gut, bei saisonalem oder projektgetriebenem Geschäft mit Vorsicht. Eine klassische Bedarfsplanung aus offenen Aufträgen ist dort oft belastbarer. Mehr dazu im Warenwirtschaftsmodul.
Fragen zu diesem Thema?
Wir ordnen die Anforderungen für Ihr Unternehmen ein und zeigen, wie sich das in Haufe X360 abbilden lässt.
