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Prozesse und Module

Material­bedarfsplanung verstehen

Materialbedarfsplanung klingt kompliziert und ist im Kern eine Subtraktion mit Zeitversatz. Wer sie versteht, disponiert anders.

Veröffentlicht am 10. August 2026, Lesezeit etwa 2 Minuten

Wasserläufe von oben, mehrere Leuchtfäden laufen zu einer Linie zusammen

Es gibt zwei Wege, Nachschub auszulösen. Der einfache arbeitet mit einem Meldebestand: Fällt der Bestand darunter, wird bestellt. Der genauere rechnet vom tatsächlichen Bedarf zurück. Der zweite Weg heißt Materialbedarfsplanung.

Schritt 1: Bruttobedarf

Zuerst wird zusammengetragen, was gebraucht wird: offene Kundenaufträge, Prognosen und, bei Fertigung, die Auflösung der Stücklisten. Ein Erzeugnis aus zwölf Teilen erzeugt zwölf Materialbedarfe, und wenn diese Teile selbst gefertigt werden, geht die Auflösung eine Ebene tiefer.

Das Ergebnis ist der Bruttobedarf je Artikel und Termin. Er sagt noch nichts darüber, ob etwas bestellt werden muss.

Schritt 2: Nettobedarf

Vom Bruttobedarf wird abgezogen, was schon da oder unterwegs ist: verfügbarer Bestand, offene Bestellungen und laufende Fertigungsaufträge. Was übrig bleibt, ist der Nettobedarf. Nur dafür entsteht ein Vorschlag.

Wichtig ist das Wort verfügbar. Reservierte und kommissionierte Mengen zählen nicht mit, sonst rechnet die Planung mit Ware, die schon zugesagt ist.

Schritt 3: Der Sicherheitsbestand

Der Sicherheitsbestand federt Schwankungen ab: schwankender Verbrauch, unzuverlässige Lieferanten, Ausschuss. Er wird nicht verbraucht, sondern gehalten, also erhöht er den Bedarf.

Er kostet gebundenes Kapital, deshalb lohnt es, ihn je Artikel festzulegen statt pauschal. Ein Artikel mit gleichmäßigem Verbrauch und zuverlässiger Lieferung braucht wenig, ein kritisches Teil mit langer Wiederbeschaffungszeit viel.

Schritt 4: Terminieren

Aus dem Nettobedarf und der Wiederbeschaffungszeit ergibt sich, wann bestellt werden muss. Das System rechnet vom Bedarfstermin zurück, das nennt sich Rückwärtsterminierung.

Liegt der errechnete Bestelltermin in der Vergangenheit, ist der Termin nicht zu halten. Ein gutes System meldet diesen Konflikt, statt ihn stillschweigend zu verschieben. Genau diese Meldungen sind der praktische Wert der Planung: Sie zeigen früh, wo es klemmt.

Was die Planung nicht kann

Die Materialbedarfsplanung kennt nur Material. Ob die Maschine frei ist und ob Personal verfügbar ist, beantwortet die Kapazitätsplanung. Ein Termin ist erst belastbar, wenn beide Sichten zusammenlaufen.

Und: Sie ist so gut wie die Stammdaten. Falsche Wiederbeschaffungszeiten, veraltete Stücklisten und fehlende Mengeneinheiten führen zu Vorschlägen, denen niemand traut. Dann wird wieder nach Gefühl bestellt, und die Planung ist wertlos.

Häufige Fragen

Fragen zum Thema

Wann reicht ein Meldebestand?

Bei Artikeln mit gleichmäßigem Verbrauch und kurzer Wiederbeschaffungszeit. Bei schwankendem Bedarf, langer Lieferzeit oder mehrstufiger Fertigung ist die Bedarfsplanung deutlich genauer.

Was ist der Unterschied zwischen MRP und PPS?

Die Materialbedarfsplanung beantwortet, welches Material wann gebraucht wird. Die Produktionsplanung beantwortet, auf welcher Ressource und in welcher Reihenfolge gefertigt wird. Erst beides zusammen ergibt einen belastbaren Termin.

Wie oft sollte die Planung laufen?

Bei Fertigung üblicherweise täglich, in schnellen Umfeldern häufiger. Entscheidend ist weniger die Frequenz als die Frage, ob jemand die Ausnahmemeldungen tatsächlich ansieht.

Warum traut niemand den Bestellvorschlägen?

Meist wegen der Stammdaten. Falsche Wiederbeschaffungszeiten und veraltete Stücklisten erzeugen unplausible Vorschläge. Die Ursache liegt dann nicht im Verfahren, sondern in den Eingangsdaten.

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